1. Was ist Nabel­schnur­blut?


Nach­dem das Neu­ge­bo­rene zur Welt gekom­men und von der Mut­ter abge­na­belt wor­den ist, kann man das noch in der Nabel­schnur befind­li­che Blut ent­neh­men, auf­be­rei­ten und ein­la­gern. Die­ses ent­hält soge­nannte Stamm­zel­len, die sich zu vie­len ver­schie­de­nen Zell­ty­pen, wie Gewebe- oder Blut­zel­len, ent­wi­ckeln kön­nen. Außer­dem kann mit­hilfe von Stamm­zel­len ein neues Immun­sys­tem auf­ge­baut wer­den.
Hat man die Mög­lich­keit, auf ein­ge­fro­rene Stamm­zel­len zurück­grei­fen zu kön­nen, so sind in der Zukunft bei der The­ra­pie von Krank­hei­ten Stamm­zel­len­trans­plan­ta­tio­nen mög­lich, ohne dass man auf einen exter­nen Spen­der ange­wie­sen ist. Die rich­tige Pla­nung der Ein­la­ge­rung des Nabel­schnur­bluts kann Ihrem Kind somit im Extrem­fall das Leben ret­ten.

2. Warum soll­ten Sie das Nabel­schnur­blut und mit ihm die Stamm­zel­len des Kin­des auf­be­wah­ren?

Es spre­chen gleich meh­rere Gründe für eine Ent­nahme und Ein­la­ge­rung des Nabel­schnur­bluts bei der Geburt. Zum einen ist eine Ent­nahme nach der Geburt völ­lig schmerz- und risi­ko­frei mög­lich, also auch ohne ope­ra­ti­ven Ein­griff, wie es z. B. bei einer Stamm­zel­len­spende aus dem Kno­chen­mark der Fall wäre.
Außer­dem sind die Zel­len bei der Geburt in einem nahezu per­fek­ten Zustand. Sie sind viren­frei, intakt und tei­lungs­freu­dig, sodass sie bei ihrem spä­te­ren Ein­satz zur Behand­lung von Krank­hei­ten effek­tiv ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Auch heute schon wer­den Stamm­zel­len aus Nabel­schnur­blut ein­ge­setzt, um bei Herz- und Auto­im­mun­erkran­kun­gen (z.B. Dia­be­tes Typ 1) sowie bei neu­ro­lo­gi­schen Schä­den ein wert­vol­ler Aus­gangs­stoff für die Medi­zin zu sein. Zukünf­tig wer­den sie dank der Stamm­zel­len­for­schung auch bei dege­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen von Kno­chen, Bin­de­ge­webe und Gelen­ken ein­ge­setzt wer­den kön­nen, wes­we­gen man sie durch­aus als intel­li­gente Inves­ti­tion in die zukünf­tige Gesund­heit des Kin­des anse­hen kann.
Durch die sich in die­sem Bereich dyna­misch ent­wi­ckelnde For­schung ist auch noch nicht abzu­se­hen, wo in Zukunft die Gren­zen lie­gen wer­den, was die The­ra­pie mit Stamm­zel­len betrifft. Zumin­dest gehen For­scher davon aus, dass jeder siebte Mensch eine The­ra­pie mit Stamm­zel­len­ein­satz benö­ti­gen wird. Mit die­sem Hin­ter­grund sollte das Ent­neh­men und Ein­la­gern von Nabel­schnur­blut zur gän­gi­gen Pra­xis wer­den.

3. Wo kann man das Nabel­schnur­blut sei­nes Kin­des ein­la­gern?

Auf der einen Seite gibt es in Deutsch­land öffent­li­che Nabel­schnur­blut­ban­ken. Sie haben die Auf­gabe, gespen­de­tes Blut ein­zu­la­gern, das für Trans­plan­ta­tio­nen bei frem­den Erkrank­ten ein­ge­setzt wer­den kann. Diese Spende an eine öffent­li­che Bank geschieht anonym und es ist unwahr­schein­lich, dass das gespen­dete Blut im Bedarfs­fall für die eigene Anwen­dung noch bereit steht.

Ande­rer­seits kann man auch den geschick­te­ren Weg gehen, das Nabel­schnur­blut ein­la­gern zu las­sen, indem man sich an eine pri­vate Nabel­schnur­blut­bank wen­det. Die bei einer sol­chen pri­va­ten Firma ein­ge­la­ger­ten Stamm­zel­len ste­hen bei Bedarf nur dem Kind selbst oder einem Ange­hö­ri­gen zur Ver­fü­gung. Bei der drit­ten Vari­ante hat man die Mög­lich­keit, das Nabel­schnur­blut für das eigene Kind ein­zu­la­gern und gleich­zei­tig bei einer öffent­li­chen Bank zu regis­trie­ren. Sollte das Trans­plan­tat für einen Frem­den benö­tigt wer­den, kön­nen die Eltern dann ent­schei­den, ob sie das Blut spen­den möch­ten.

In allen Fäl­len wird das Nabel­schnur­blut nach der Ent­nahme bei der Geburt auf­be­rei­tet und dann bei Tem­pe­ra­tu­ren unter ‑180 °C ein­ge­fro­ren, sodass man nach heu­ti­gem Kennt­nis­stand davon aus­ge­hen kann, dass die Stamm­zel­len für die gesamte Lebens­dauer des Kin­des halt­bar blei­ben und bei Bedarf jeder­zeit kurz­fris­tig auf­ge­taut und ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

4. Soll ich das Nabel­schnur­blut mei­nes Kin­des nach der Geburt nun ein­la­gern?

In jedem Fall sollte man sich früh­zei­tig Gedan­ken dar­über machen, ob man eher die Mög­lich­keit einer Spende oder die einer pri­va­ten Ein­la­ge­rung in Erwä­gung zieht. Zum Weg­wer­fen ist das Nabel­schnur­blut in jedem Fall zu schade. Gene­rell ist eine Ent­nahme und Ein­la­ge­rung zur Spende kos­ten­frei, jedoch nicht in jedem Kran­ken­haus mög­lich. Dann wäre die Kran­ken­haus­aus­wahl zu beden­ken. Möch­ten Sie das Blut der Nabel­schnur pri­vat ein­la­gern, so soll­ten Sie sich von ver­schie­de­nen Anbie­tern ein Bild machen, da diese sich in Prei­sen und Kon­di­tio­nen unter­schei­den. Eine der bei­den Mög­lich­kei­ten soll­ten sie auf jeden Fall umset­zen, die Stamm­zel­len­for­schung ist noch lange nicht am Ende.